worldmapper worldmapper by worldmapper.org Netz-Fundstück: Weltweite Bildungs-Herausforderungen graphisch dargestellt
Ganz zufällig bin ich vor einigen Jahren auf www.worldmapper.org aufmerksam geworden. Seither habe ich auf die dort verfügbaren Materialien immer wieder gerne zurückgegriffen. Ich bin überzeugt, dass sich diese auch hervorragend für den Erdkunde-, Politik- und Sozialwissenschafts-Unterricht eignen, weshalb ich sie hier kurz vorstellen möchte.
Der World Mapper wirbt mit dem Slogan “The world as you’ve never seen it before”, und damit übertreibt er nicht. Die University of Sheffield stellt unter Leitung von Mark Newman (University of Michigan) Danny Dorling (Dank an Herrn Hennig für die Richtigstellung, s. Kommentar) eine ganze Reihe Weltkarten zur Verfügung, die mit Hilfe eines speziellen Algorithmus jeweils einen bestimmten sozial-politischen Faktor (etwa Einkommen, Erziehung, Krankheiten) hervorheben. Die Proportionen der dargestellten Länder beziehen sich dabei nicht auf die geografische Größe, sondern auf die Ausgestaltung dieses Faktors. Hierdurch schaffen es die Karten, die wichtigsten globalen, sozial-politischen Probleme auf sehr anschauliche Weise herauszustellen. Ich möchte kurz einige bildungsrelevante Themen vorstellen. (Anmerkung: Die Daten werden freundlicherweise unter einer Creative Commons License zur Verfügung gestellt, das Entwicklerteam hat die Ressourcen auch explizit für Bildungszwecke freigegeben. Für das folgende Bildmaterial gilt: © Copyright 2006 SASI Group (University of Sheffield) and Mark Newman (University of Michigan))
Weltweites Vermögen (BIP)
Eine klare aber nicht überraschende Aussage: Der größte Teil des weltweiten Vermögens (hier gemessen am BIP aus dem Jahre 1990) befindet sich auf der nördlichen Halbkugel. Zentralafrika bildet das einsame Schlusslicht: Mit gerade einmal 0.8% des BIP der reichsten Region (Nordamerika).
Mädchen ohne Zugang zum Primarbereich
Diese Karte zeigt, wie viele Mädchen (in absoluten Zahlen!) einer Altersgruppe (etwa 5- bis 9-jährige) nicht zur Schule gehen obgleich die männliche Kohorte Zugang zum Primarbereich hat. Indien stellt die größte Herausforderung dar: Dort wird 8 Millionen Mädchen der Zugang zum Primarbereich verwehrt. Nordafrika folgt mit 2,5 Millionen auf Rang 2. Aber auch die Türkei ist von dem Problem betroffen. Wohl gemerkt: Die Aussage der Karte ist immer im Vergleich der weiblichen zur männlichen Kohorte zu verstehen!
Ausgaben für die Hochschulbildung
Die Karte zeigt die Ausgaben für die Hochschulbildung (in USD und auf die lokale Kaufkraft angepasst, Daten von 2001): Nordamerika und Westeuropa stellen 61% der weltweiten Ausgaben für den Tertiärbereich. Wenn man der These folgt, dass Bildung vor Armut schützt, wirkt es sehr beklemmend, dass Zentralafrika und Teile Asiens praktisch untergehen. Zentralafrika und Teile Südwestafrikas stellten zum Erhebungszeitpunkt nur 1.5% der weltweiten Gesamtausgaben.
Interessant ist auch die Tatsache, dass diese Karte fast deckungsgleich mit der Darstellung des weltweiten Vermögens ist (1. Karte).
Ein Hinweis zur Interpretation der Daten
Zu jeder Karte können Sie detaillierte technische Informationen abrufen, die Auskunft über die Erhebungsmethoden und den Erhebungszeitraum geben. Bitte bedenken Sie, dass bestimmte Karten aufgrund ihrer unkonventionellen Erhebungsmethoden etwas schwierig zu interpretieren sind. Die Anmerkungen am Rande sowie unter dem Link “Technical notes for this data” (am unteren Bildschirmrand) können Verständnisfragen in den meisten Fällen klären.
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Sehr geehrte Damen und Herren,
zufaellig bin ich auf Ihren Beitrag http://www.bildungsblog.info/2010/05/01/netz-fundstuck-weltweite-bildungs-herausforderungen-graphisch-dargestellt/ gestossen, der das Worldmapper Projekt in zuvorkommender Weise vorstellt. Darf ich dennoch eine kleine korrigierende Anmerkung machen:
Das Projekt geht auf die Initiative von Danny Dorling zurueck, der das Projekt auch leitet. Mark Newman ist zusammen mit Michael Gastner derjenige, der den Algorithmus umgesetzt hat, den wir fuer unsere Karten verwenden, wohingegen die weitere Umsetzung vom Worldmapper Team, das vorrangig an der University of Sheffield beheimatet ist, erfolgt ist.
Ich moechte damit nicht pedantisch wirken, doch der kleine inhaltliche Fehler fiel mir im ansonsten sehr schoenen Beitrag auf.
Mit freundlichen Gruessen,
Benjamin Hennig
Sasi Research Group
Department of Geography
University of Sheffield
http://sasi.group.shef.ac.uk/
Herr Hennig,
vielen Dank für diese Richtigstellung. Sie haben natürlich recht. Das Worldmapper-Projekt geht auf die Initiative von Danny Dorling zurück. Mark Newman ist u.a. für die Entwicklung des Algorithmus verantwortlich, der die Weltkarten in ihren Proportionen darstellt.
Die genaue Projekt-Beschreibung ist hier zu finden.
Danke und Gruß nach Sheffield
Sebastian Felling